Das Dirndl vereint Tradition und Moderne

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Junge Frauen in traditionellem Dirndl beim Münchner Frühlingsfest

Das heutige Dirndl ist ein Trachtenkleid, das seinen Ursprung in Bayern sowie in Österreich hat. Als eine Dienstbotentracht aus den vergangenen Jahrhunderten hat es sich in der heutigen Zeit zu einem Kleidungsstück entwickelt, das sowohl aus modischen als auch aus sportlichen Gründen getragen wird. Das Münchener Oktoberfest ist ohne das Dirndl der weiblichen Besucher undenkbar. Die wechselnde Dirndlmode sorgt für einen regelmäßig neuen Look in den Festzelten auf der Theresienwiese.

Das Dirndl wird aber auch als historisches Kleidungsstück in Trachtenvereinen getragen. Hier wird das regionale Brauchtum gepflegt, zu dem das seit jeher unverändert gebliebene Dirndl gehört. Für Zuschauer bei Indoor- und Outdoor-Veranstaltungen ist es immer wieder ein besonderer Anblick, die Trägerinnen in ihrer Dirndltracht bewundern und bestaunen zu können. In sportlich ausgerichteten Trachtenvereinen kann das Dirndl letztendlich im weiteren Sinne als eine Sportkleidung gesehen werden. Hier steht weniger das Brauchtum als vielmehr die Präsentation von Einzel-, Gruppen- oder Gardetanz im Vordergrund. Und zu einem zünftigen Urlaub in den bayerischen oder in den österreichischen Alpen gehört auch heute noch nach dem Einchecken im Urlaubshotel der Kauf eines Dirndls im örtlichen Einzelhandel.

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Das Dirndl – aus dem „Leibgewandl“ wurde ein modisches Kleidungsstück

Dirndl auf dem Münchner Oktoberfest
Dirndl auf dem Münchner Oktoberfest

Beim Dirndl handelt es sich um ein „Wunderkleid“, denn es hat den positiven Effekt, überflüssige Pfündchen zu kaschieren, lässt eine zu schlanke Figur etwas „fülliger“ wirken, macht die „mollige“ schlanker und „zaubert“ bei jeder Frau eine Wespentaille sowie ein bezauberndes Dekolleté. Allerdings war das gar nicht der Zweck des Kleides in seinem Ursprung.

Die Geschichte des Dirndls

Im 19. Jahrhundert war das Dirndl vielmehr ein praktisches Arbeitsgewand, dass die jungen Mägde – Dirnen genannt, daher stammt auch die Bezeichnung- auf den Bauernhöfen in Bayern und Österreich während der Arbeit trugen. Das „Leiblgewand“ (dem heutigen Dirndl) trugen sie über dem Hemd sowie eine Schürze, welche zumeist aus Bettwäsche genäht wurde. Daher ist es historisch korrekt, das die Schürzen eher einfarbig sind und selten über mit Blumen- oder Rankenmuster verziert sind. Es war wichtig, dass das Kleid strapazierfähig war für die Arbeit im Wald, im Stall oder auf den Wiesen. Daher hatten einfach Baumwoll- und Leinenstoffe den Vorrang und verfügten über keinerlei Schnickschnack, Applikationen oder andere Besonderheiten.

Erst um 1930 wurde das Dirndl „modern“, als die Damen aus den Städten in die Berge reisten, und begannen den Look der Dirnen nachzuahmen. Der Film „Im weißen Rössl“ beeinflusste dann das Design der Dirndl enorm. Das Dirndl wurde schick und eine Dame von Welt trug ein Kleid, das mit Trachtenelementen versehen war. Selbst in New York am Broadway machte die einstige Arbeits-Tracht Furore.

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Jedes Dirndl ist verschieden

Dirndlschleife © photo 5000 - Fotolia.com
Dirndlschleife
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Die Frage besteht, wann ist ein Dirndl authentisch und wann nicht. Diese kann in der Regel nicht so einfach beantwortet werden, denn die Dirndl sind so unterschiedlich wie die Fahrgeschäfte auf dem Oktoberfest. Das bedeutet, dass die Elemente sich von Region zu Region unterscheiden.

In Niederbayern (Passau) tragen die Damen zu ihrer niederbayrischen Tracht eine Goldhaube, im Gegensatz zu den Hinterskirchenerinnen, die zur Tracht blaue Kniestrümpfe kombinieren. Sind sie unverheiratet, dann tragen sie ein Krönchen (Kranl) dazu. Die Damen in Oberbayern tragen schwarze Röcke und eine Kropfkette als Schmuck.

Doch auf eines kann sich verlassen werden: Damals wie heute und das ist die Regel der Schürze: Wird die Schleife rechts getragen: Verheiratet oder fest verbandelt wird sie links getragen: Die Dame ist noch zu haben. Im Übrigen wissen ganz beflissene noch um zwei weitere Varianten: die Schleife hinten: Es handelt sich um eine Witwe, die Schleife vorn: Sie ist Jungfrau. Des Weiteren gibt es noch eine weitere traditionelle Grundregel und die besagt, dass das Dirndl nur maximal so kurz sein darf, wie ein Masskrug hoch ist.

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Das Dirndl in der Gegenwart

Noch heute werden die schlicht gehaltenen Dirndl oft aus Leinen oder Baumwolle gefertigt, doch zumeist bestehen auch sie aus hochwertigen Stoffen wie Seide oder Satin. Die besonders edlen Ausführungen der ehemaligen Arbeitskleidung bestehen hingegen aus Stoffen wie Brokat, Samt oder Damast. Im Grunde ist das Angebot breit gefächert und die Mädels und Frauen können aus einem breiten Sortiment auswählen. Was damals in den edlen Ausführungen nur für Sonntags und Jahrmärkte vorgesehen war, wird heute zu vielen Anlässen getragen.

Eine besonders interessante Mischung aus Tradition und Moderne findet man auf dem Oktoberfest. Dort ist das Dirndl, mit der klassischen Dirndlbluse und der Schürze ein „Must-Wear“. Jedes Jahr werden neue wunderschöne Dirndl extra für die Wiesn, das Oktoberfest in München, designt. Dort tragen die Mädels ihr Dirndl gern modisch kurz und teilweise mit knalligen Accessoires. Rund um die Theresienwiese können sich weibliche und männliche Wiesnbesucher auch noch kurzfristig mit “echten” – sprich, traditionellen – und modernisierten Trachtenvarianten ausstatten.

Wahre Damen tragen ihre Dirndl noch immer traditionell jedoch im modernen Schnitt und kombinieren diese mit dem dazu passenden Schmuckstücken, welche jedoch nicht von dem eigentlichen „Schmuckstück“ ablenken, nämlich dem Dirndl.

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